Bei den G20-Protesten in hamburg ging viel Glas zu Bruch. Diese Sicherheitsscheibe hielt trotz starker Beschädigung stand. Foto: Markus BurgdorfBei den G20-Protesten in hamburg ging viel Glas zu Bruch. Diese Sicherheitsscheibe hielt trotz starker Beschädigung stand. Foto: Markus Burgdorf

Das Wochenende des G20-Gipfels in Hamburg vom 7. bis zum 9 Juli 2017 hat vor Allem eines ganz deutlich gemacht. Wenn es gewalttätige Ausschreitungen in einer Stadt gibt, können die Bewohner und privates Eigentum nicht umfassend geschützt werden. Die jetzt geführte Diskussion war längst überfällig. Jedoch sollte man sich nicht der Versuchung hingeben, die Vorfälle aus Hamburg als ein Problem der Hansestadt anzusehen.

Wer an den Landungsbrücken am Freitag die per Lautsprecher verstärkten Einheizer gehört hat, wundert sich nicht, dass auch „normale Demonstranten“ plötzlich mit Flaschen auf Polizisten werfen. Die Polizei muss sich dann wehren und so eskaliert auch eine zunächst friedliche Demonstration. Es entsteht eine aufgeheizte Situation, die dann in eine Straßenschlacht münden kann.

Tatsache ist, dass ein plündernder und brandschatzender Mob in kleinen Gruppen aufgeteilt, jede noch so starke Polizei-Präsenz ausspielen kann. In Hamburg hatte man für den G20-Gipfel 20.000 Polizisten zusammengezogen. So viele Polizisten wie noch nie zuvor. Von diesen vielen Polizeihundertschaften waren jedoch viele Einheiten mit der Sicherung des Gipfels selbst und der Fahrwege der Politiker beschäftigt.

Katz und Maus Spiel mit der Polizei

Die Polizei braucht zum Reagieren Zeit, bei tausenden Straßen einer Stadt kann sie unmöglich überall gleichzeitig sein. Sie muss zudem überlegt handeln, Einsatzkräfte sinnvoll aufteilen und geeignete Gegenmaßnahmen treffen. Das braucht Zeit…

Genau das ist die Chance für die Randalierer und Kriminellen. Wird ein Vorfall gemeldet, sind die Verursacher schon längst im unübersichtlichen Häusermeer untergetaucht. In Hamburg konnte man gut sehen, dass zur Tarnung auch die schwarze Kleidung gegen Normal-Bekleidung getauscht wurde. Dadurch wird für die Polizei die Identifizierung nochmals erschwert, ja nahezu unmöglich.

Interessant ist, dass die in der Folge der Schaufensterzerstörung begangenen Plünderungen der Geschäfte tatsächlich oft von ganz normalen Jugendlichen vorgenommen werden. Also auch jungen Leuten, denen man solche Handlungen nicht zutrauen würde. Dazu trägt die aufgeheizte Stimmung bei. Diese „Trittbrettfahrer“  werden dann auch häufiger gefasst. So war es London bei den Riots und so war es auch in Hamburg. Wer mit der Intention der persönlichen Bereicherung plündert, braucht dafür Zeit und genau das führt dann bei Eintreffen der Polizeikräfte zur Festnahme.

Auffällig war in Hamburg, dass viele Fahrzeuge angezündet wurden. Dabei wurde kein Unterschied gemacht, ob das Fahrzeug alt oder klein, neu oder von einer eher teuren Marke war. Wer also glaubte, dass sein nicht so wertvolles Fahrzeug nicht in Gefahr sei, wurde bitter enttäuscht.

Angriffe von den Dächern können tödlich enden

In Hamburg kam es am vergangenen Wochenende auch zu Situationen, die tödlich hätten enden können. Vermummte hatten sich auf Dächern von Mehrfamilienhäusern postiert und warfen von dort Molotov-Cocktails runter auf die Straße. Wer von so einer brennenden Flasche getroffen wird, geht sofort in Flammen auf und verbrennt bei lebendigem Leibne qualvoll. Dazu wurden größere Steine nach unten geworfen und mit Zwillen Stahlkugeln geschossen. Wer da nicht mit voller Schutzausrüstung unterwegs ist, kann leicht Opfer solcher Angriffe werden.

Wer also in der Wohnung ist, sollte diese nicht verlassen und wer draußen unterwegs ist, sollte sich den in Gruppen auftrtetenden Tätern nicht heldenhaft in den Weg stellen, sondern Schutz in Gebäuden suchen.

In London bildeten sich am zweiten und dritten Tag der Ausschreitungen Bürgerwehren, die ihre Straße gegen die Jugendlichen verteidigen wollten. Das hat auch funktioniert. Gefährlich ist es trotzdem, gerade, wenn die Gegner bewaffnet sein sollten.

Nobelstadtteil oder Szene-Stadtteil: Wo ist die Gefahr höher?

Tatsächlich ist da die Gefahr am Höchsten, wo durch dichte Bebauung mit Mehrfamilienhäusern und Läden im Erdgeschoss ein schneller Erfolg für die Angriffe erleichert wird. Das sind vor Allem die Innenstadtbereiche. Zum Glück haben die Täter keine Molotov-Cocktails in die Läden geworfen, das war bei London Riots 2011 anders – und das führte zu lebensbedrohlichen Situationen für die Menschen, die über einem in Brand gesetzen Laden wohnten.

In den Nobelstadtteilen stehen die Villen oft weit von der Straße auf großzügigen Grundstücken, die Autos in Garagen und die Grundstücke sind meist auch durch hohe Hecken und Gartentore geschützt. Hier braucht es zu lange, um bis zum Haus vorzurücken. Zeit ist schließlich ein ganz wichtiger Faktor, um nicht bei der Tat erwischt zu werden.

Natürlich gibt es auch zentrumsnahe Szene-Stadtteile wie Eppendorf oder Pöseldorf in Hamburg, wo die Häuser keine großen Grundstücke haben, hier ist die Gefahr ähnlich hoch, wie in anderen eng bebauten Stadtteilen. Allein die in geringer Zahl vorhandenen Läden mit ihren großen Glasflächen reduzieren die Gefahr etwas.

So war es denn für die Organisatoren der Proteste auch völlig unverständlich, warum sich die Gewalt besonders in der Nacht zum Samstag ausgerechnet am Schulterblatt entlud, also quasi im eigenen Stadtteil. Andreas Beuth von der Roten Flora sagte auf NDR:

Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen haben gewisse Symphatien für solche Aktionen, aber bitte doch nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also warum nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese… also da gibts auch bei uns großes Unverständnis, dass man im Schanzenviertel die eigenen Geschäfte zerlegt, die Geschäfte wo wir selbst wohnen und auch einkaufen.

Das hatte auch die Polizei überrascht – und so brauchte man einige Zeit, um Einsatzkräfte zu den Tatorten zu schicken. Die Aussage des „Sprechers der Autonomen“ Andreas Beuth ging natürlich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien und wurde zahlreich kommentiert.

Keine echte Sicherheit in der Stadt möglich

Die gewalttätigen Ausschreitungen in Hamburg haben gezeigt, dass man in der Stadt nicht sicher ist. Immerhin ist es nicht dazu gekommen, dass ganze Straßenzüge abgebrannt wurden (so wie 2011 bei den London Riots) – allerdings darf man sich nicht in Sicherheit wiegen, denn der Schritt vom zerstörten Laden zur Brandstiftung ist nicht groß.

Unser Tipp: Wenn für Ihre Stadt eine solche Veranstaltung oder auch nur gewalttätige Demonstrationen, wie zum 1. Mai, angekündigt sind, sollten Sie sich eine Auszeit auf dem Land gönnen. Jeder sollte einen Rückzugsort für Ausnahmesituationen in der Stadt haben. Wer nicht weg kann, sollte zumindest über ein paar Vorräte verfügen. Die wichtigsten Dokumente nicht in der Wohnung belassen, sondern an einem sicheren Ort aufbewahren.

 

Von Redaktion

Der Betreiber von Deutsche-Prepper.de ist die Avandy GmbH, die als Kommunikationsagentur Unternehmen und Instititutionen in der Krisenprävention, dem Management von Krisen und der Reduzierung negativer Auswirkungen von Krisen berät. Das Unternehmen betreibt auch die Webseite rueckrufe.net. Gründer und Geschäftsführer Markus Burgdorf gilt als Krisen-Experte.

2 Gedanken zu „Ist man in der Stadt noch sicher?“
  1. Also G20 war schon uncool aber das hat in nicht mal 1% der gesamten Stadtfläche statt gefunden, da nu zu sagen in der Stadt sei man nicht sicher bei sowas is schon bisschen hoch gegriffen. Ich wohne Luftline 3km von der „Schanze“ wo das überwiegend stattgefunden hat weg! Bis auf die kreisenden Hubschrauber und die Nachrichten Im Radio hat bei uns im Virtel nix ungewöhnliches statt gefunden, wir haben schön gegrillt den Tag 😉

    1. Danke für Deine Einschätzung. Wenn der Konflikt sehr lokal begrenzt ist, ist die Gefahr für nicht direkt Betroffene üblicherweise gering. Ich habe 2011 in London die Riots miterlebt – und das hatte schon eine andere Qualität. Unter den Augen der Polizei haben die zumeist jugendlichen Gewalttätter da Molotov-Cocktails in Häuser geworfen – und es sind auch einige Häuser abgebrannt und Menschen kamen zu Schaden. Es ist also immer etwas wie in der Lotterie: Man kann Glück haben, oder auch nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.